FILMTALK 60plus: Ein Leben in Farbe

Im Rahmen des FILMTALK 60plus haben wir den Film Ein Leben in Farbe gesehen und diskutiert – ein Porträt der Künstlerin Eleanor, das sich konsequent einfachen Deutungen entzieht. Der Film löste sehr unterschiedliche Reaktionen aus: Begeisterung, Irritation, Ablehnung, Bewunderung. Klar wurde schnell: Dieser Film polarisiert – und genau darin liegt seine Kraft.


Der Film – Zwischen Provokation und Selbstentwurf

Ohne klassische Dramaturgie und ohne erklärende Einordnung nähert sich Ein Leben in Farbe der Künstlerin Eleanor. Der Film zeigt sie in Momentaufnahmen: körperlich präsent, kreativ, widersprüchlich, oft bewusst irritierend. Ihr Alltag in New York ist geprägt von Chaos und Konsequenz zugleich, von künstlerischer Arbeit, ungewöhnlichen Beziehungen und einer radikalen Orientierung am Jetzt. Biografische Hintergründe bleiben weitgehend offen – Herkunft, Familie, Lebensstationen werden nur angedeutet. So entsteht kein geschlossenes Porträt, sondern ein fragmentarisches Bild, das sich einfachen Zuschreibungen entzieht und die Zuschauer:innen mit offenen Fragen zurücklässt.


Das FILMTALK-Gespräch – lebendige Kontroverse, neue Sichtweisen

Sabine L. Distler von Curatorium Altern gestalten eröffnete das Gespräch und führte gemeinsam mit Moderatorin Christa Jordan durch eine Diskussion, die von Beginn an von großer Lebendigkeit und gegenseitigem Respekt geprägt war. Die Runde reagierte sehr unterschiedlich auf den Film: von Begeisterung über Ratlosigkeit bis hin zu deutlicher Ablehnung. Gerade diese Spannbreite machte den Austausch besonders intensiv.

Viele Stimmen beschrieben Eleanor als schwer einzuordnende Figur: egozentrisch und dominant für die einen, radikal frei und konsequent für die anderen. Die fehlenden Hintergrundinformationen wurden teils als Mangel, teils als bewusste Offenheit gelesen. Statt sich auf eine gemeinsame Bewertung zu verständigen, öffneten Nachfragen, Widerspruch und Weiterdenken immer wieder neue Sichtweisen auf den Film.

Zentrale Gesprächspunkte waren Eleanors Umgang mit dem Tod, ihre chaotische Lebensweise, die Beziehung zu einem deutlich jüngeren Mann und ihr offenes Spiel mit Körperlichkeit und Eitelkeit. Besonders die Schlussszene – Eleanor tanzend, mit nacktem Oberkörper – wirkte als Brennpunkt der Diskussion: für manche befremdlich, für andere ein kraftvolles Statement von Freiheit und Selbstbehauptung.

Christa Jordan lenkte den Blick immer wieder auf die zugrunde liegende Frage, die den Abend prägte: Was bedeutet Würde im Alter – und wer entscheidet darüber? Die Runde machte deutlich, dass Ein Leben in Farbe Erwartungen bewusst unterläuft und damit gängige Altersbilder infrage stellt.


Ein Film, der irritiert

Die FILMTALK-Runde war sich einig: Ein Leben in Farbe ist kein leicht zugänglicher Film, aber einer, der arbeitet. Er erklärt nicht, er versöhnt nicht – er provoziert und regt zum Weiterdenken an. Die Auseinandersetzung zeigte, wie produktiv ein Film sein kann, der keine Antworten liefert, sondern Reibung erzeugt und zur Selbstbefragung einlädt: über Freiheit, Anpassung, Verletzlichkeit und die Möglichkeit, im Alter eigene Wege zu gehen.

Ein herzlicher Dank gilt allen Gesprächsgästen des FILMTALK 60plus, deren Offenheit, unterschiedliche Positionen und respektvolle Diskussionskultur diesen Austausch getragen und bereichert haben.


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Warum der FILMTALK 60plus sehenswert ist

Der FILMTALK 60plus bietet eine einzigartige Gelegenheit, Filme aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und tiefer in die Materie einzutauchen. Die FILM Beiräte60plus liefern durch ihre unterschiedlichen Hintergründe und ihre gemeinsame Leidenschaft für Film eine bereichernde Diskussion, die sowohl informativ als auch unterhaltsam ist. Für alle Filmliebhaber und diejenigen, die tiefer in die Welt des Kinos eintauchen möchten, ist der FILMTALK sehenswert. Er bietet nicht nur eine Analyse eines bedeutenden Films, sondern auch eine Plattform für den Austausch von Gedanken und Ideen, die über den Film hinausgehen.Schalten Sie ein und lassen Sie sich von von uns auf eine filmische Reise mitnehmen, die Ihnen neue Einsichten und ein tieferes Verständnis für die Kunst des Films bietet.